Am 15.11.2001 ging die Freiwilligenagentur an den Start. Vorausgegangen waren Gespräche der damaligen Stadtverordneten mit Vertretern der Zivilgesellschaft und die Möglichkeit im Programm „Soziale Stadt“ dieses neue Format auszuprobieren. Ein Format was Menschen verbindet, die sich vielleicht nie begegnet wären und ganz „nebenbei“ die Vision einer engagierten Stadtgesellschaft zu fördern, so die Idee. Es brauchte noch einen Träger und einen Ort, die schnell gefunden wurden. Der PARITÄTISCHE Brandenburg seit 30 Jahren in Cottbus übernahm die Trägerschaft und unterstützte den Aufbau und die Etablierung der Freiwilligenagentur mit viel Sachkompetenz und Erfahrungen im Bereich „Bürgerschaftliches Engagement“ und das bis heute. Das Soziokulturelle Zentrum beherbergt die Freiwilligenagentur von Anfang an und die „Maßnahme“ das Zentrum zu einem Ort der Begegnung und Bildung unter Mitwirkung der Freiwilligenagentur zu etablieren, ging auf.

Eine dritte Säule, die wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Freiwilligenagentur bisher unsichere Zeiten (z.B. Ende der Förderung „Soziale Stadt“) überstanden hat, ist der Beirat der Freiwilligenagentur. Er hat Multiplikatoren- sowie Beratungsfunktion. Seine Mitglieder kommen aus Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft.

„Freiwillig in Cottbus“ unser Slogan bedeutet für uns die Übernahme von Verantwortung bei der Gestaltung des Gemeinwesens. Dabei achten wir darauf, dass freiwilliges Engagement kein Ersatz für staatliche Aufgaben ist. Vielmehr ist es eine Ergänzung und Bereicherung und trägt dazu bei, gesellschaftliche Entwicklungen (mit) zu gestalten. Wir ermutigen, beraten und qualifizieren Menschen, die sich mit ihren vielfältigen Fähigkeiten, Erfahrungen und Interessen im Gemeinwesen engagieren wollen und gemeinwohlorientierte Organisationen und Initiativen, die diese Menschen einbinden möchten. Als „ständige Vertretung des Engagements“ bringt sich die Freiwilligenagentur in vielfältige Netzwerke ein, organisiert Aktionen und Fachveranstaltungen z.B. „Interkulturelle Öffnung von Einsatzstellen“. Dabei geht es um gute Rahmenbedingungen und eine Kultur der Anerkennung zu fördern.

 

Die Freiwilligenagentur hat in den vergangenen Jahren viel bewegt. In der „Werkstatt für eine gute Gesellschaft“ kommen Menschen, die sich für andere engagieren möchten oder eigene Ideen umsetzen wollen. Es sind junge Menschen nach Schulbeendigung, Studierende, Eltern, Erwerbstätige, Erwerbslose, Ruheständler, Kranke und Mitarbeitende in Wirtschafts-unternehmen. Über die Jahre entdeckten uns immer mehr gemeinwohlorientierte Einrichtungen, Vereine, die obengenannte Interessierte einbinden wollen. Heute sind 82 Einrichtungen mit ca. 140 Einsatzfeldern von A wie Ausfahrhilfe für Menschen im Rollstuhl bis Z wie Zuhören am Telefon mit denen die Freiwilligenagentur zusammenarbeitet.

In der „Werkstatt für eine gute Gesellschaft“ wurde und wird weiterhin erprobt und entwickelt. Neue, innovative und pandemiebedingte Projekte entstanden. Sie wurden weiterentwickelt und auch beendet. Gelungene Beispiele sind der Lesefuchs e.V., der Wunschgroßelterndienst, die Bücherecke im Soziokulturellen Zentrum und das SprechCafe, welches aus dem Projekt „Ankommenspatenschaften“ entstanden ist.

Erfolgreich beendet haben wir neben dem Schulprojekt „Lebensnah Lernen“ das Projekt „Unternehmenskooperationen“ unter anderem mit 10 „Marktplätzen Gute Geschäfte Cottbus“. Erfolgreich weitergeben hat die Freiwilligenagentur den “Adventsmarkt am Klosterplatz“. Angestiftet übernahm sie sechs Jahre lang die Organisation in Zusammenarbeit mit engagierten Vereinen, der Klosterkirchgemeinde und Unternehmen, einschließlich der Sparkasse Spree Neiße. 2021 in der Organisation vom SOS Kinderdorf Lausitz findet der Adventsmarkt am 2. Advent dezentral an verschiedenen Orten in Cottbus statt.

 

Aktuell entwickelt die Freiwilligenagentur mit der BTU Cottbus- Senftenberg Fachbereich „Soziale Arbeit“ ein Projekt für Seniorenheime mit dem Titel „Geschichtenkoffer“. Mit dem Frauenzentrum und der Verkehrswacht Cottbus geht es um die Etablierung des Projektes „Fahrradfreundin“.

 

Seit Beginn ist es uns ein Anliegen, die Anerkennungskultur für Ehrenamtliche, Freiwillige in Cottbus zu stärken. Die Freiwilligenagentur organisierte jährlich zum 5. Dezember zum „Internationalen Tag des Ehrenamtes“ Veranstaltungen in verschiedenen Formaten. Gut in Erinnerung geblieben ist das „Ehrenamtsfrühstück mit prominenten Cottbusern“ im Stadthaus.

 

Gut vernetzt auf Landes – und Bundesebene tauschen wir uns mit anderen Freiwilligen-agenturen/zentren regelmäßig aus und arbeiten an Herausforderungen wie z.B. Digitalisierung im Ehrenamt. Als Gründungsmitglied (2017) der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen Brandenburg (Lagfa Brandenburg) ist die Freiwilligenagentur Cottbus bis heute Sprecheragentur und vertritt die Lagfa Brandenburg im Landerbeirat der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa).

 

Unter dem Motto „20 Jahre – Freiwilligenagentur trifft…“ planen für das nächste Jahr mehrere Aktionen mit Kooperationspartnern und Projekten. Zukünftig wollen wir noch mehr engagierte Menschen in Vereinen, in der Verwaltung, in Bildungseinrichtungen oder in Unternehmen stärken und vernetzen und setzen dabei weiterhin auf die Eigenschaften der Freiwilligenagentur Neugier, Offenheit und Kreativität.

 

Ramona Franze-Hartmann